Montag, 21. Juni 2010

Der Nachbar macht in Öl


Welcher selbsternannte Gourmet kennt nicht die einschlägige Pflichtlektüre die einem suggeriert was man verspeisen muss um mitreden zu können. Und so ist es dass wir uns verschiedene Salze aus allen Herrenländern, Zuckersorten verschiedenster Kristalle und Farben, Essige in ungeahnter Variation und Öle aus Kernen uns besorgen, wo die Kerne früher bestenfalls zum Weitspuckwettbewerb her-halten durften. Aber man besinnt sich wieder auf den Ursprung und versucht aus allem etwas zu gewinnen. So verkehrt ist der Gedanke ja auch nicht, warum sollten wir bei Nahrung nicht auch von Nachhaltigkeit reden, der Ausdruck ist im Moment doch eh in aller Munde.
Ich glaube angefangen hat die Ölmanie ja vor zig Jahren als die Oliven eingeführt wurden. Die Olive selbst ist für den einen oder anderen Anfängergourmet ja etwas zu streng, die Bitterstoffe sind es die einem den Geschmack versauen. Aber wer kein Olivenöl mag, kann sich den Fortgeschrittenen-Gourmettitel abschminken. Also tastet man sich heran wie sich ein guter Weintrinker zu einem Weinkenner herantrinken kann.
Nun werden erstmal die Öle, die in der Presse empfohlen werden ausprobiert, bis eine Besserwisserzeitung kommt und alle vorherigen grundlegenden Erkenntnisse über den Haufen wirft. Spätestens dann wird man sich besinnen und wieder auf seine Geschmacksknospen hören. Probieren geht über studieren. Auf diversen Kulinarischen Märkten, in Fachgeschäften die sich auf Genussprodukte spezialisiert haben, auf Urlaubsreisen, in Restaurants, wo man durchaus fragen darf welches hervorragende Öl verwendet wird, jeder Koch fühlt sich geschmeichelt. Tja oder wie ich, einfach mal mit dem Nachbarn reden. Meiner macht in Öl und zwar hervorragendes, sorten-reines Öl. Nein es kommt nicht aus Italien oder Spanien, der Willi und sein Schatz haben Oliven-bäume in Griechenland, um genau zusagen, auf der Halbinsel Peloponnes in Alfioussa ganz in der Nähe von Olympia.
Das Dörfchen liegt direkt am Fluß Alfios und hat ca. 1500 Einwohner und eben auch den Olivenhain im bergischen Hinterland. Darum kümmert sich Willi´s Schatz. Sie sorgt sich um die Ernte und auch um die Pressung, die Ausbeute ist schon verplant eh die Oliven gepresst sind. Das ist echtes Kaltgepresstes, einfach ein Genuss von super Qualität aus der Olivensorte Koronéiki.


Willi´s Schatz macht ja alles damit, selbst Kuchen backen. Hätte ich mir ja nicht vorstellen können, ist aber lecker. Für mich ist es ja DAS Öl und in unserem Freundeskreis hat es sich auch schon herum gesprochen wie klasse es schmeckt, und fehlt mir mal ein kleines Gastgeschenk für eine spontane Einladung, ich fülle das Tröpfchen in eine nette Flasche ab und schwups schon habe ich ein Mitbringsel das immer wieder gerne genommen wird. Der Willi ist auch echt stolz auf das Öl und freut sich wie sich alle darum reißen und von schwärmen.
Ein kleines Bisschen beneide ich den Willi und seinen Schatz ja auch um die Olivenbäume, weil die machen ja nicht nur Olivenöl daraus, sondern legen die frisch geernteten Oliven nach dem tagelangem Wässern in eine leckere Lake und die dann zu frischen Tomaten, gerösteten Weißbrot, beträufelt mit Olivenöl... Jeder Gourmet, auch der Anfänger, weiß jetzt was ich meine....

Aber neulich hat der Willi mal meinen Schatz und mich beneidet, denn wir lagern das kostbare Olivenöl vom Willi nicht mehr nur einfach in Ölkanistern, nee, nee, wir haben uns eine Amphore mit Auslasshahn gekauft. Hervorragend für das Olivenöl zum Lagern und perfekt mit dem Auslasshahn zum umfüllen.

Na da hat der Willi aber Augen gemacht und wenn Willi`s Schatz im Herbst mal wieder aus Griechenland zurückkommt, dann werden wir ihr unser Prunkstück zeigen und sie wird sich sicher freuen wie umsichtig wir mit dem edlen Tröpfchen umgehen.......



Rezept: eingelegte Oliven
500 g schwarze Oliven in Salzlake
60 ml frischgepressten Zitronensaft
Zitronenschale von 4 ungespritzten Zitronen
einige Zweige frischen Oregano
gutes Olivenöl
1 rote Chilischote
lauwarmes Wasser

Zubereitung
Die Oliven über Nacht in lauwarmem Wasser wässern.
Das Wasser am nächsten Tag abgießen und die Oliven gut trocknen, auf 4 Einmachgläser á 125g Fassungsvermögen, verteilen. Die Chilischote entkernen und die weißen Häute innen entfernen. Die Schote in feine Streifen schneiden und ebenfalls in die Gläser geben. In jedes Glas ein Stück Zitronenschale und einige Oregano-Zweige auf die Oliven geben. Zitronensaft verteilen und die Gläser mit Olivenöl auffüllen. Die Oliven sollten bedeckt sein.
Mindestens 3 Tage stehen lassen, zwischendurch immer mal etwas schütteln. Je länger sie ziehen umso schmackhafter werden sie.

Samstag, 12. Juni 2010

Sonnengereifter Tomatengenuss das ganze Jahr

Es ist ja schon recht eigenartig wie sich mit den Jahreszeiten auch das Bedürfnis auf manche Lebensmittel verändert. Wer hat im Hochsommer schon Appetit auf Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen, oder Grünkohl. Nur die Vorstellung macht mir Übergewicht.
Aber im Winter ist es nicht anders, würde sich jemand im Restaurant ein eisgekühltes Melonensüppchen bestellen? Wenn ja, können nur widrige Umstände dahinter stecken. Das Widrige möchte ich jetzt bitte nicht falsch aufgefasst sehen.
Ich orientiere mach ja gerne an den Saisonkalender, der zeigt im Sommer ich habe Appetit auf Tomaten, und der hat recht.
Jetzt muss ich allerdings gestehen, ich mag Tomaten in allen Formen und Verarbeitungen, aber aromaintensiv müssen sie sein, nicht diese rot überzüchteten Wasserkugeln, da können sie hundertmal am Strauch gehangen haben und noch so Cherry sein, Aroma müssen sie haben, Aroma. Ich bin ja kein Botaniker, aber der intensive Geschmack kommt garantiert von der Sonne. Ich weiß, Tomaten sind Nachtschattengewächse brauchen aber trotzdem Sonne, es ist ja auch erwiesen, dass die Menschen bei Sonnenschein besser gelaunt sind und die liegen nicht alle den ganzen Tag im Freibad und bestellen da eine Portion gute Laune. Es ist die Sonne. Das schmeckt man auch bei einer sonnengereiften Tomate, sagt ja schon das Wort “sonnengereift“.
Bei der Landpartie neulich haben wir ja an dem Keramikstand nicht nur die Traumamphore ergattert, wir kamen ja an dem Tomatenaufstrich auch nicht vorbei.
Dieser Tomatenaufstrich sucht aber auch seines Gleichen. Ich kenne nichts Vergleichbares das so aromatisch nach sonnengereiften Tomaten schmeckt wie dieser Aufstrich. Da haben wir es wieder, sonnengereift. Die vereinte Säure mit Fruchtsüße und die Geschmeidigkeit der Paste, das auf geröstetem Brot zu einem schönen Rotwein, mehr braucht man nicht um einen Amphorenkauf zu feiern.
Es hat etwas tomatenmarkähnliches, aber viel feiner und gefälliger, eben cremiger. Vor allem es sind keine weiteren Zusätze rein gepanscht, warum auch, die Tomaten die hier verwendet wurden bringen die Aromastoffe schon mit, da bedarf es zur Herstellung kein Labor, nur Sonne. Na ja, OK, auf die Tomatensorte kommt es auch schon an, und der Produzent hat es hervorragend verstanden aus diesem Naturprodukt eine Tomatengourmetpaste herzustellen. Irgendwann versuche ich das auch mal, für mein Vorratsregal wenn ich im Winter mal Hunger auf Sommer bekomme........

Montag, 7. Juni 2010

Eine Landpartie ist lustig, eine Landpartie ist schön…..lalalalalalalala

Wer kennt nicht die Gesetze von Angebot und Nachfrage, frei übersetzt: Vor einer Stunde wusste ich noch nicht das ich genau diesen Gegenstand benötige.
Es sollte ja eigentlich nur ein Ausflug zum Optiker werden bei dem wir uns gerne die Brillenreinigungs-lösung besorgen und anschließend eine Fahrt über Land zum Spargelkauf. Der Einkauf beim Optiker ging auch recht schnell von Statten, also ist noch Zeit für einen Blick links neben dem Laden in die Galerie eh es weiter geht.
Da steht sie, die Vase, die hat förmlich auf uns gewartet und wie sie auf dem Tisch zuhause passen würde, egal ob mit oder ohne Blume. Tja, einfach ein Hingucker. Also noch eben vor Geschäftsschluss hinein und schnell wieder raus. Ist ja Samstag und super Wetter da wollen die Leute in den Garten und an die Luft und ganz sicher nicht ellenlang sich nach Feierabend mit Kunden unterhalten.
Aus dem Sprung und pünktlich Feierabend wurde natürlich nichts, die junge Frau in der Galerie ist aber auch wirklich nett und die Chemie passte von der ersten Sekunde. Man tauscht sich gerne aus, obwohl wir wollten doch eigentlich...na ja ist jetzt auch egal. Bei solchen Gesprächen finde ich die Tipps für Ausflüge in die Umgebung immer am Interessantesten, gerade wenn man selbst knappe 50 km entfernt wohnt.
Der heutige Tipp: wir müssen unbedingt zur Landpartie auf Schloss Lembeck. Nee wollen wir ja eigentlich nicht, ist doch immer so voll und wir wollten doch auch eigentlich... na ja, wir könnten ja mal dran vorbei fahren und schauen ob es voll ist.
Es war nicht voll und ein Parkplatz fast am Eingangstor.
So und hier sind wir nun, seit drei Jahren wollten wir die Landpartie besuchen und irgendwie wurde da nichts raus. Entweder es war zu voll, hatte geregnet oder eine andere Belustigung hatte Vorrang. Aber diesmal wollten wir nicht und jetzt sind wir hier und es ist einfach super schön, alles ist super schön. Das Wetter spielt auch mit. Die Landpartie hat etwas von englischen Gärten und dem dazugehörigen Adel. Es ist ein Garten-Verkaufsfest mit Anspruch. Hier gibt es die schönsten Rosen wie man sie wohl auch nur in englischen Gärten findet, wenn man nicht gerade die Gelegenheit hat sich auf der Landpartie mit diesen duftenden Königinnen der Blumen eindecken zu können.
Aber hier werden nicht nur Rosen vertrieben, wer nach Adressen für Maßkleidung von Kopf bis Fuß sucht, Spaß an exklusiver Einrichtung hat, erlesene Accessoires für sein Heim oder sein Outfit benötigt, den Gaumenkitzel herbeisehnt oder einfach etwas haben möchte was das Herz begehrt es aber noch nicht weiß was, wird hier garantiert fündig.
Die Landpartie hat etwas von Rosamunde Pilcher, die Filme gucken wir ja nicht und wenn doch dann nur wegen der schönen Landschaft und der englischen Rosen. Im Nachhinein bedauert man den Picknickkorb nicht mitgebracht zu haben. OK, unser Picknickkorb ist ein Picknickrucksack und würde hier auch nicht hinpassen. Ein erlesener Weihnachtsmarkt im Sommer nur nicht mit Glühwein und Punsch, sondern mit frischem Wein und Champagner. Außerdem hat hier der Steinheuer auch einen Stand und da bin ich wieder richtig froh nicht den Picknickrucksack dabeizuhaben.
Der kleine Besuch dauert bei uns mehrere Stunden, wir konnten den Schlosspark mit allem drum und dran genießen, haben super nette Gespräche geführt, eine total schöne handgetöpferte Keramikamphore ist in unseren Besitz übergegangen, Dies und Das lag auch noch auf dem Weg und wir haben nun einiges an Geld weniger, aber das ist ja nicht weg, das hat jetzt nur ein anderer......