Mittwoch, 26. Juni 2013

Ich gebe es zu, persisches Safranhuhn ist nicht regional…

…aber das Huhn kam aus der Region, nur die Gewürze nicht. Die Walnüsse hätte ich gerne aus der Region genommen, wenn ich nur wüsste wo im Ruhrgebiet ein Walnussbaum steht. Aber jetzt mal was Anderes, hast Du schon mal eine Sauce mit Walnüssen gebunden? Nicht? Dann solltest Du jetzt weiterlesen, denn Du könntest genauso viel lernen wie ich. Das Rezept das ich aufgegabelt habe stammt aus der Persischen Küche. Würzig aber unglaublich rund im Geschmack. Herr GB der einen sehr guten Geschmackssinn hat musste als Versuchskaninchen herhalten. Aber er konnte die einzelnen Zutaten nicht herausschmecken, die ganze Zeit schwärmte er lediglich von dem Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.
Bisher war mir die Persische Küche nicht so geläufig, klar ist es mir bekannt, dass in der Persischen Küche edle Gewürze verwendet werden, aber dass ich schon mal ein Rezept nachgebastelt haben könnte, ist mir jetzt nicht bewusst. Dafür bin ich jetzt auf den Geschmack gekommen und ich werde wohl mal meine Augen nach einem Persischen Kochbuch aufhalten. Solltest Du den ultimativen Kochbuchkauftipp haben, nehme ich den natürlich auch gerne entgegen. Aber jetzt schau Dir mal das Rezept an, vielleicht gefällt Dir die Persische Küche ja auch.

Persisches Safranhuhn mit Walnuss-Chili-Sauce:
2 Chilischoten
3 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
100 g Walnusskerne fein gemahlen.
½ Teelöffel Safranfäden
4 Hähnchenbrüste
2 Esslöffel Olivenöl
Salz
Pfeffer schwarz, frisch gemahlen
200 ml Geflügelbrühe
200 ml Orangensaft
Kerne von einem ½ Granatapfel
1 Esslöffel brauner Zucker
½ Bund glatte Petersilie
Chilischoten entkernen und fein hacken. Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein hacken.

Safranfäden im Mörser zerreiben und mit zwei Esslöffeln warmes Wasser vermischen, ziehen lassen. Hähnchenfilets in einem Esslöffel Öl goldgelb anbraten, salzen, pfeffern und warm stellen. Restliches Öl in die Pfanne geben, Zwiebeln, Knoblauch und Chili darin andünsten. Walnussmehl zugeben und mit anrösten.

Brühe angießen und die Sauce etwas einkochen lassen. Nach und nach den Orangensaft zugeben und einkochen. Die Granatapfelkerne unterrühren und ebenfalls erwärmen.
Die Filets in die Sauce geben, mit einem Deckel abdecken und auf kleiner Temperatur gute 15 Minuten ziehen lassen. Die Sauce mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken. Zum guten Schluss noch die Petersilie fein hacken und untermischen. Das Gericht mit Reis anrichten.

NACHTRAG:
Nachdem schon alles gegessen geschrieben war, wurde ich von einer lieben Leserin auf Zorra´s Walnussevent aufmerksam gemacht. Das kann ich mir unmöglich entgehen lassen, vielleicht flattert mein persisches Huhn ja auch auf den Kalender. Auch wenn dieses Gericht irgendwie in jede Jahreszeit passt, denke ich, es ist so schön leicht, also wie ein richtiges Sommergericht.

Dienstag, 25. Juni 2013

Holunderblütenbrot, den Bäcker musst Du suchen der das im Angebot hat...

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, könnte er aber. Wobei Herr GB ja immer ganz gerne Brot beim Bäcker kauft um mir die Arbeit zu ersparen und sich selbst das Fiasko meiner Brotbackkunst. Aber diesmal ist mir wirklich ein ganz großer Clou gelungen. Ich war selbst ganz von den Socken.
Während der Holunderblütezeit gehört im Büdchen zum Standardprogramm Holunderblütensirup, Holunderblütenessig und Holunderblütenzucker. Manchmal mache ich auch zwei oder drei Gläser Holunderblütengelee. Auf dem Programm stehen noch kandierte Holunderblüten und jetzt ganz neu Holunderblütenbrot. Ausgerechnet ich Brotbackdepp habe dieses leckere Brot hinbekommen.
Wir haben es mit einem milden Käse probiert, ging, aber etwas mit kräftigerem Geschmack wäre besser. Herr GB hat sich an würzige gekochte Mettwurst getraut, Du denkst jetzt sicher das Gleiche was ich auch gedacht habe. Iiiiiii, das geht doch gar nicht, aber es ging und wie das ging, einfach genial. Tja und mit etwas Süßem, wie z.B. Aprikosenkonfitüre war es natürlich auch genial. Schade eigentlich dass es nicht das ganze Jahr Holunderblüten gibt. Wenn Du dich beeilst, kannst Du es auch noch backen, noch gibt es Holunderblüten.

Holunderblütenbrot:
400 g Weißenmehl
100 g Buchweizenmehl
30 g Hefe
1 Prise Zucker
¼ Liter Milch, lauwarm
Blüten von 6 Holunderdolden
½ Teelöffel Salz
Schale einer unbehandelten Limette
1 Eigelb

Die Mehle mit einander vermischen. In die Mitte eine Kuhle drücken und die Hefe hinein krümeln. Die Prise Zucker auf die Hefe geben und mit etwas lauwarmer Milch angießen. 30 Minuten warten und die Hefe etwas gehen lassen. Sie schäumt etwas auf.
Die restliche Milch angießen Salz, Holunderblüten und Limettenschale zufügen. Alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Den Teig zum Brotlaib formen und gut 60 Minuten gehen lassen. Wenn es sich größenmäßig verdoppelt hat mit einem verquirlten Eigelb einpinseln und bei  Umluft im vorgeheizten Backofen bei 180°C gute 50 Minuten backen. Das Brot vor dem Aufschneiden auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.



Montag, 24. Juni 2013

Sommersturm oder Windbeutel mit Limocellocreme...

Das Unwetter von letzter Woche haben wir überstanden, der Kirschbaum hinterm Haus ist in kleine Stücke gesägt und entsorgt. Der Bach ist wieder zurück in seinem Bett und der Nachbar wird wohl demnächst drei Meter weniger Rasen mähen müssen.
Ach Du weiß gar nicht wovon ich rede? Aber das Unwetter in der letzten Woche hast Du schon mitbekommen und dass das halbe Ruhrgebiet abgesoffen ist weißt Du auch, oder?
Du glaubst nicht wie es hier in der letzten Woche zuging, es regnete und hörte einfach nicht auf. Mittags um 13:00 Uhr war es so dunkel, als hätten wir es bereits 22 Uhr. Ich war logischerweise im Büro. Ich kann ja schließlich nicht nur Urlaub machen. Tja, aber das Wetter vergönnte mir einen frühen Feierabend durch Stromausfall. Telefonanlage fiel aus, Computer aus und wir saßen kurz im Dunkeln. Wie gesagt die Helligkeit entsprach 22 Uhr. Doch was soll ich da wenn nichts funktioniert? Also ich ab nach Hause. Noch um einiges vom trauten Heim entfernt sah ich schon was ich eigentlich nicht glauben wollte. Einige Felder bzw. Wiesen waren überschwemmt wo am Morgen noch ein hübsches Bächlein plätscherte. Der Bauer sammelte sein herunter gespültes Feld von der Straße ein. Eine ortsansässige Firma war komplett überflutet der sonst plätschernde Bach rauschte wie ein kleines Flüsschen über das Firmengelände. Ich ahnte Böses.
Aber was soll ich sagen, obwohl der Bach der hinter unserem Haus her fließt, von 1 Meter auf locker 5 Meter Breite gewachsen ist, war zum Glück das Wasser vom Haus noch weit entfernt. Beim Nachbarn links ist ein Kirschbaum umgekippt, aber vorher haute noch ein Blitz rein um das ganze Dorf in Angst und Schrecken zu setzen. Der Garten des Nachbarn von rechts verkürzte sich vorrübergehend um gute drei Meter. Alles überschwemmt und die gepflanzten Blumen schwimmen jetzt sicherlich in der Ruhr als Wasserpflanzen.
Ich weiß, das Alles ist ein Sandkorn gegen das was im Süden bzw. im Osten unseres Landes passiert ist.  Ich glaube nicht annähernd zu wissen was die Menschen dort durchmachen, aber was es heißt vor einer Naturgewalt Angst zu haben und keinen Einfluss nehmen zu können, das ist mir mehr als klar geworden.
Der Regen hat Gott sei Dank nicht so lange angehalten wie in den anderen Bundesländern, dafür haben wir jetzt seit Samstag einen Dauerwind. Passend zum Wind draußen gibt es heute im Büdchen Windbeutel. Ein Brandteiggebäck mit einer wundervollfrischen Füllung.
Windbeutel mit Limoncellocreme
200 ml Milch
60 g Butter
Eine Prise Salz
120 g Weizenmehl
3 Eier
Die Milch mit der Butter und dem Salz aufkochen. Das Mehl auf einmal in die kochende Milch geben und mit einem Holzkochlöffel kräftig verrühren. So lange rühren bis sich eine Brandteigkugel gebildet hat und der Topfboden mit einer weißen Schicht überzogen ist. Diese Kugel in eine Rührschüssel geben und etwas abkühlen lassen. Die Eier nach und nach mit den Knethaken des Handrührgeräts in den Teig arbeiten. Den Brandteig in einen Spritzbeutel mit gezackter Tülle füllen.
Auf ein Backblech, das mit Backpapier ausgelegt ist, 20 kleine Teigtürmchen spritzen. Die Windbeutel auf mittlerer Schiene bei 180°C gute 40 Minuten backen. Sie sollen goldbraun werden.

(Super Wichtig: auf keinem Fall während des Backvorgangs den Backofen öffnen!!!)
Die gebackenen Windbeutel auf einem Rost geben und auskühlen lassen.

Für die Limoncellocreme benötigst Du folgende Zutaten:
2 Eigelbe
2 Esslöffel Vollmilch
2 Esslöffel Vanillezucker
1 Esslöffel Puderzucker
4 Blatt Gelatine, weiß
125 ml Limoncello (italienischer Zitronenlikör)
250 ml Sahne, schlagen
Die Eigelbe mit dem Vanillezucker, dem Puderzucker und der Milch in einem warmen Wasserbad schaumig schlagen und zu einer Rose abziehen. Zwischenzeitig hast Du die Gelatineblätter in etwas Wasser quellen lassen. Die Gelatine entweder in der warmen Eiercreme auflösen (mir gelingt das nicht wirklich), oder kurz im Wasserbad erwärmen und dabei auflösen. Nun kannst die aufgelöste Gelatine in die Eiercreme gegeben werden. Gut unterrühren und einige Minuten kaltstellen. Sobald die Creme anfängt zu gelieren, die geschlagene Sahne unter die Creme rühren. Die Creme in einen Spritzbeutel geben, die Windbeutel aufschneiden und die Windbeutel mit der Creme aus dem Spritzbeutel füllen.
Als kleines i-Tüpfelchen kannst Du noch feingehackte kandierte Zitronenschale auf die Creme streuen und dann setzt Du erst das Deckelchen wieder auf.
Windbeutel schmecken auch bei Sturm und mit Limoncellocreme bringen sie etwas Sommer zurück.


Samstag, 22. Juni 2013

Orangengratin, irgendwo ist jetzt Orangenzeit…

Ich habe in dieser Woche ja noch gar nichts Süßes fabriziert. Das muss ich schnellstens nachholen, nicht das uns der Zuckerspiegel in den Keller fährt und wir den Boden unter den Füssen verlieren. Es reicht schon wenn der Schwindel durch die hohen Außentemperaturen gefördert wird. Ja, ja, ist ja schon gut. Ich freue mich auch über den Sommer und hab auch nichts gegen sommerliche Temperaturen. Das Einzige was mich stört, dass ich wenig Lust zum kochen habe. Nur so kleine Kleinigkeiten, schnell gemacht und schnell gegessen.
Ich hatte ja mal eine Liste, sortiert nach Jahreszeiten, auf der sämtliche Dinge zu finden waren, die ich unbedingt mal, zu passenden Anlässen, ausprobieren wollte.
Dann ereilte mich mein Festplattenabsturz!!!
Manche Gegebenheiten machen es einem total einfach sich mal wieder neu zu strukturieren, oder etwas auszuprobieren.
So ging es mir nicht nur mit meinen verlorenen Daten, so geht es mir auch gelegentlich wenn ich meine Vorräte betrachte.
So erst neulich, mit den zu viel gekauften Orangen. Eigentlich brauchte ich nur eine Orange, aber wie der Teufel Supermarkt es so will, musste ich ein Netz mit fünf Orangen kaufen. Normal kaufe ich mein Obst auf dem Markt einzeln, aber manchmal geht es nicht anders. Soviel zu meiner Verteidigung.
Also ich hatte genau vier Orangen übrig und ein Rezept für das ich vier Orangen benötigte. Es passt zwar nicht direkt jetzt in die Jahreszeit, aber irgendwo auf der Welt ist gerade Orangenzeit und da passt es dann wieder.
Orangengratin mit Eierschaum
4 Orangen
2 Esslöffel Orangenlikör
Butter für die Förmchen
3 Eier
Salz
50 g Zucker
3 Esslöffel Speisestärke
150 g Crème fraìche
1 zusätzlichen Esslöffel Orangenlikör
Die Orangen komplett abschälen, inkl. der weißen Haut und einzelne Filets heraustrennen. Den Saft dabei auffangen und auch den Saft aus den Orangenhäuten mit der Hand kräftig ausdrücken. Den aufgefangenen Saft mit dem Likör mischen und über die Orangenfilets geben. Ruhig einige Zeit marinieren.
Die Filets mit Saft auf vier gefettete Förmchen verteilen. Den Backofen auf 200°C Umluft vorheizen.
Die Eier trennen. Die Eiweiße mit einer Prise Salz zu Schnee schlagen. Die Eigelbe zusammen mit dem Zucker schaumig schlagen. Die Speisestärke über den Eigelbschaum sieben und unterheben. Die Crème fraìche und den Löffel Orangenlikör untermischen. Den Eischnee auf die Eigelbcreme geben und vorsichtig unterheben.
Die Eierschaummasse auf die Orangenfilets geben und im Backofen in der Mitte auf einem Rost 15 Minuten goldbraun gratinieren. Heiß servieren.
Als Alternative bieten sich reife, weiche Früchte der Saison an und Beeren sowieso.



Donnerstag, 20. Juni 2013

Mittwoch, 19. Juni 2013

Fischbänke in Bozen, kein Pfirsichsalat mit Mozzarella und rosa Pfefferbeeren...

Na was sagt Ihr zu den Temperaturen? Sommer, toll, oder!? Diese Woche erreichen wir im Schnitt 30°C und der Appetit will sich nicht so wirklich einstellen. Bei Hitze fällt mir lediglich Salat ein. Eine Zeit war in aller Munde der Tomaten-Mozzarella-Salat. Sicher ist das sehr lecker, aber nicht wenn er bei jeder Feier und jedem Grillabend serviert wird. Vor einigen Jahren gab es mal in irgendeinem Blog einen Aufruf zum Tomaten-Mozzarella-Boykott. Also nicht das Tomaten und Mozzarella verpönt waren, sondern nur in deren Kombination. Und recht hatte Initiator. Warum werden Kombinationen, die eigentlich hervorragend zusammenpassen, bis zum Sankt Nimmerleinstag ausgereizt? Eine der ganz großen Enttäuschungen bezogen auf diese Zutaten erlebten wir neulich in Bozen.
Aber ich erzähl Dir mal alles. Bozen ist ja jetzt nicht ganz so klein wir Glurns und man kann auch locker zwei bis drei Tage dort verbringen. Wirklich wunderschön ist der Markt und so verführerisch, aber ich hatte Urlaub und selber kochen war nicht vorgesehen.
Außerdem wollte ich die regionalen Speisen probieren und ich wäre ja schön blöd gewesen, hätte ich mir die Leckereien entgehen lassen. Irgendwann nach unserer Lauferei machte sich natürlich der kleine Hunger bemerkbar und laut meinen kulinarischen Reiseführern musste ich unbedingt in Bozen zu den Fischbänken. Kein richtiges Restaurant, sondern wohl eher eine bekannte Institution für Touristen. Mein Fazit heute, hübsch für eine kleine Pause und ein kühles Getränk. Essen sollte man woanders.
Die Speisekarte bestand aus verschiedenen Salaten und Bruschetta. Die Salatvariationen ließen uns schmunzeln. Ruccola mit Parmesan und Tomaten, Ruccola mit Mozzarella und Tomaten, Ruccola mit Zwiebeln und Tomaten usw., es gab bestimmt 10 bis 15 verschiedene Varianten. Diese Salatvielfalt war ja fast unglaublich. Egal, wir hatten Hunger und bestellten. Die Brotbeilage hat super gut geschmeckt, der Salat war frisch und die Getränke gut gekühlt, ach ja und die Stühle waren bequem. Wie schon gesagt, ich war enttäuscht. Bei so einer Werbung hatte Ich mit etwas anderem gerechnet.
Ja und jetzt sind wir hier zuhause, haben Sommer aber keinen Urlaub, kochen wieder selbst, erinnern uns an unseren kleinen Ausrutscher und genießen Salat. Salat mit Mozzarella.
Pfirsichsalat mit Mozzarella und rosa Pfefferbeeren
4 Pfirsiche
160 g bunten Salat
2 Kugeln Mozzarella
40 g Pinienkerne
1 Teelöffel Akazienhonig
Saft einer ½ Zitrone
Pfeffer, Salz
5 Esslöffel Olivenöl
1 Esslöffel rosa Pfefferbeeren
Pfirsiche häuten, entkernen und in Spalten schneiden. Den Salat putzen und auf Teller verteilen. Den Mozzarella in Scheiben schneiden. Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett bräunen. Den Zitronensaft mit dem Honig, Salz und Pfeffer verrühren. Das Öl zufügen und zum Dressing vermischen. Die Pfirsichspalten und die Mozzarellascheiben ebenfalls auf die Teller geben. Das Dressing aufträufeln.
Die roten Pfefferbeeren im Mörser leicht quetschen und zusammen mit den gerösteten Pinienkernen auf den Salat streuen.



Dienstag, 18. Juni 2013

Kartoffelspaghetti ohne Eier und ohne Mehl...

Gleich hinter dem Reschenpass das kleinste Städtchen Südtirols ist Glurns. Es ist nicht nur das kleinste hinterm Reschenpass, es ist auch das Kleinste von ganz Südtirol und laut unterschiedlichsten Reiseführern wäre es sogar das Kleinste von ganz Italien.
Ein wirklich kleines Städtchen, doch in verschiedener Hinsicht sehr beachtenswert.
Es hat eine Stadtmauer, drei Stadttore, ein tolles Schuhgeschäft, drei Hotels, eine richtig tolle Konditorei und noch einige andere Geschäfte, wie auch diverse Lokalitäten. Natürlich darf ich die Kirche nicht vergessen und den wunderschönen Laubengang. Dass auch hier die Landschaft traumhaftschön ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Es war ganz lustig wie wir auf dieses Örtchen gekommen sind. Im letzten Jahr habe ich mir das Buch von Monika Kellermann „Südtirol kulinarisch“ besorgt. Ein Buch mit wirklich schönen Bildern und Reisevorschlägen. Herr GB und ich hatten die Idee wir nehmen das Buch mit auf unsere Südtirol Reise.
Das war schon mal eine sehr gute Entscheidung. An verschiedenen Vorschlägen orientierte ich mich schon bei der Tourenausarbeitung. Was sich wiederum als ein Pluspunkt darstellte, denn so entstand eine eigens für uns gebastelte kulinarische Südtirol Reise.
Glurns war ein Stopp auf unserer Fahrt und zwar mussten wir Mäuse besorgen. Du glaubst uns wäre die Kohle direkt am Anfang ausgegangen und wir brauchten Nachschub? Weit gefehlt, hier ist nicht die Rede von Kies, Kröten, Moneten, Zaster oder auch Geld genannt. Nein, richtige Mäuse. Da es eine Genussreise war, versteht sich wohl von selbst das es sich um eine Art Gaumenschmaus handeln musste, oder?!
Göttlich schmeckende Mäuse, nicht gekocht, gebraten oder gegrillt, sondern vom handwerklich geschickten Konditor, ehemals Bürgermeister persönlich hergestellt.
Hochglänzende Schokoladenmäuse gefüllt mit einer zartschmelzenden Nougatcreme und in der Creme zwei geröstete Haselnüsse.

Meister Riedl der Ex-Bürgermeister orientierte sich bei der Erfindung seiner Mäuse an den berühmten Glurnser Mäuseprozess und trifft mit der Herstellung dieser Leckerei eine wunderbare Entscheidung. Wenn Du wissen willst was es mit diesem Mäuseprozess auf sich hat, musst Du hier lesen. In meiner Reisebibliothek fand sich auch noch eine Empfehlung für das Hotel bzw. das Restaurant Grüner Baum. Unsere Wahl war treffsicher, gut dass wir auch diesem Tipp folgten.
Ein wirklich nettes Lokal. Für Herrn GB gab es Tomatensuppe und einen butterzarten Zwiebelrostbraten. Mir wurde die erste Vinschgauer Weißweinsuppe meines Lebens serviert und im Anschluss noch Spargel, ich kam einfach nicht an ihm vorbei.
Dessert schafften wir nicht, wir mussten ja noch Mäuse essen.

Jetzt lange nach unserem Urlaub, während ich mir die ganzen Urlaubsbilder anschaute, viel mir ein, dass ich auf irgendeiner Speisekarte etwas von Kartoffelnudeln  gelesen habe.  Ob das im Grünen Baum war weiß ich nicht mehr so ganz genau. Also gemeint war Nudelteig aus Kartoffeln. Ein Rezept für derartige Nudeln habe ich persönlich von Monika Schölzhorn, sie führt den Schlosswirt Juval, bekommen, aber das ist eine andere Geschichte.
Doch da Kartoffeln in Südtirol eine der Hauptzutaten ist und wir noch etwas in den Urlaubswogen schwelgen wollen, gibt es heute im Büdchen Kartoffelspaghetti. Na, was sagste jetzt?

Kartoffelspaghetti:
1,2 kg Kartoffeln, festkochend
1 große Zwiebel (ca.40 – 50g) in feine Würfel schneiden
Zu gleichen Teilen Butter und Öl
Etwas Olivenöl
150 g Schinkenwürfel
1 Esslöffel Knoblauchöl (dafür nimmst Du vielleicht das Öl von dem confierten Knoblauch)
½ Bund glatte Petersilie, fein gehackt
100 ml Gemüsefond
200 g Butter, eiskalt
Parmesan oder würziger Bergkäse
Kartoffeln schälen und mit dem Spirali in feine Spaghetti schneiden. Die Kartoffelnudeln in reichlich Salzwasser 2 Minuten kochen.
Die Zwiebelwürfel in dem Butter-Ölgemisch glasig dünsten.
Die Schinkenwürfel in Olivenöl andünsten. Knoblauchöl, Zwiebeln und Petersilie vermengen.
Gemüsefond erhitzen und mit der eiskalten Butter zu einer Buttersauce verschlagen bzw. einkochen. Die Speckmischung mit der Buttersauce vermischen und die gut abgetropften Spaghetti in die Saucenmischung geben. Alles verrühren und 15 Minuten im geschlossenen Topf auf kleinster Hitzezufuhr garen.
Zum Anrichten die Kartoffelspaghetti auf Teller verteilen und mit frisch geriebenem Parmesan oder würzigem Bergkäse servieren.